Heute mal ganz verrückt. Wer zu faul zum lesen ist, kann auch gern meiner Stimme lauschen.
Über Dubai nach Marseille
Bei meinem letzten Beitrag - der, WTF auch schon wieder 6 Wochen zurück liegt - war ich gerade auf der AIDAvita im sonnigen Dubai angekommen. Was so ein bisschen Sonne ausmachen kann. Tagsüber war es nicht zu heiß und am Abend konnte man gemütlich draußen sitzen und die Wüstenluft genießen - Ausblick auf Dubais Skyline inklusive. Und das macht schon was aus. Auf der AIDAdiva waren mir die Tage zum Ende hin definitiv zu kurz. 15/16 Uhr Sonnenuntergang und die totale Finsternis - das ist einfach nichts für mich.
Die Stimmung auf AIDAvita war wunderbar und schon wieder hatten wir so einen verrückter Koch, der es einfach nicht sein lassen konnte, sich Tag für Tag, selbst zu übertreffen. So wird das nichts mit dem abnehmen. Aber hey - derzeit habe ich ja auch noch ein Doppel-Bett, Platz ist also noch vorhanden. Was hatte AIDAvita aber sonst noch so zu bieten? Gute Kollegen, einen offenen Pool und ein Volleyballfeld, auf dem der “High Tower” auch oft für Angst und Schrecken gesorgt hat!
IT Probleme
Der ein oder andere hat es sicher in den Nachrichten verfolgen können. Ab dem 25.12.2020 ging leider Garnichts mehr bei AIDA. Nahezu alle Systeme auf allen Schiffen sind nicht mehr zu erreichen gewesen. Als Hotel Controller irgendwie doof, da mein einziges Arbeitsgerät der PC und diese Systeme sind. Zunächst sind davon ausgegangen, dass sich das ein paar Stunden, maximal ein paar Tage ziehen würde, ehe wir wieder normal weiter machen können. Aber Pustekuchen. AIDA musst leider deswegen sogar Reisen absagen und erst Anfang Januar konnte erste Entwarnung gegeben werden. Zumindest laufen die Systeme in der Hauptzentrale wohl wieder und nach und nach werden die Schiffe wieder einsatzfähig gemacht. Die letzten Wochen wurde also ganz oldschool mal wieder mit Stift & Papier gearbeitet, was ja überhaupt nicht so mein Fall ist. Hoffen wir mal, dass da bald vorbei ist.
Aber das nur am Rande. AIDA hat dann aufgrund der aktuellen Situation in Deutschland auch erneut Reisen absagen müssen und wird bis mindestens März stillstehen. Das ist echt ein Trauerspiel. AIDAvita wird bald schon ein Jahr lang in Dubai ohne Gäste liegen. Absolut unvorstellbar und dennoch bald Realität. Wenn ich im Mai nach Hause komme, werde ich mehr als 14 Monate, während dieser verrückten Pandemie, an Bord verbracht haben. Und ich sage euch was. Ich bin auch ein bisschen froh, das Privilieg zu haben, an Bord sein zu dürfen. Sicherlich kann ich mir Schöneres vorstellen, als über so einen langen Zeitraum in einer Blase aus Stahl zu leben, aber betrachten wir es mal in Relation:
Ich habe die Möglichkeit ins Fitnessstudio zu gehen (Ob ich diesse Möglichkeit nutze, sei mal außen vorgelasssen)
Ich kann jeden Abend mein Feierabendbier in meiner Lieblingsbar trinken
Ich habe gutes Internet (Ich bin ja nicht in Deutschland)
Ich kann abends mit Freunden (Mehrzahl!) zusammen sitzen
Und es ist nicht so scheiße kalt.
Und das sind nur die Highlights. Ganz nebenbei verdiene ich ja auch noch Geld, welches ich nicht so richtig ausgeben kann. Alles in Allem ist das schon ganz OK so. Ja natürlich fehlt die Familie und als frischgebackener zweifacher Onkel, seine Nichte und Neffen, besonders in dieser spannenden Zeit nicht so häufig sehen zu können, ist schade, aber dafür habe ich umso mehr Zeit, wenn ich zurück bin. Ich war schon immer einer, der gerne unter Leute geht und, dann bin ich lieber auf dem Schiff. mehr oder weniger dazu gezwungen, als zuhause meinen Leuten nur mit Abstand zu begegen. Das wäre nichts, woran ich besondere Freude hätte. Im Mai sieht die Welt hoffentich schon wieder anders aus und wir können alle zusammen mal einen drauf machen.
Die Kehrseite der Medallie
Aber nicht allen fällt diese etwas einsame Zeit an Bord der vielen Geisterschiffe leicht und bei vielen anderen Reederein, sind oftmals auch deutlich weniger Crew an Bord, als z.B. bei uns. Und nicht immer haben alle Zugang zu Internet, oder Hobbies die einen bei Laune halten. Eines muss ganz klar sein: Auch wenn es für Außenstehende oft für eine große Party und leicht verdientes Geld klingt, kann ich euch mit Gewissheit sagen: So einfach ist das nicht! Mehrere 1000 Km von zuhause entfernt, vielleicht schon zehn Moante oder mehr an Bord. Jeden Tag die gleiche Aussicht, die gleichen Gesichter, das gleiche Umfeld. Das Wetter draußen oftmals ungemütlich, kalt und in den Wintermonaten dunkel. Das nagt an vielen und wenn die Stimmung dann Bord kippt oder man das Gefühl hat ausgegrenzt zu werden, ist es schwierig seine Gedanken wieder positiv einzustellen. Ich möchte an dieser Stelle meinen tiefsten Respekt an alle Kollegen dort draußen ausprechen und hoffe, dass wir alle gesund bleiben und weiterhin Freude an dem haben, was wir tun. Bleibt stets positiv, auch wenn die Situation derzeit scheiße ist. Wir kommen da alle gemeinsam durch! Ahoi!
Willkommen auf AIDAsol
Nun aber wieder zurück auf AIDAvita. Zumindest kurz. Es ging am 22.01. dann ich Richtung Marseille. Airline KLM über Amsterdam und mit AIR France dann schließlich nach Frankreich. Und was soll man sagen: An den Flughäfen wieder ein ähnliches Bild. Die Menschen stauen sich überall - an den Ceck-In Schaltern, bei den Security und Pass Kontrollen, beim Einsteigen und im Flieger selbst. Aber bei uns werden “Corona-Partys” mit 4 Personen als Straftat verfolgt. Aber da fehlt eben die Lobby. Oh - ich drifte ab! Aber ihr merkt, ganz kalt lässt mich dieses Thema auch irgendwie nicht. Also wo war ich?! Zwei bis unters Dach gefüllte Flüge später, kam ich nach ca. 14 Stunden planmäßig in Marseille an. Das hatte alles reibungslos funktioniert. Zu meiner Ankunft regnete es stark. Regen hatte ich nun wirklich lange nicht gesehen - irgendwie angenehm. An Bord wurde ich gleich doppelt getestet. Linkes und rechtes Nasenloch bekammen jeweils einen eigenen Test. Somit ist Corona Test 7 auch geschafft und es wird irgendwie nicht angenhemer. Heute Nachmittag gibts dann Test Nummero 8. Wahrscheinlich sogar noch während ich hier an diesem Beitrag sitze.
Morgen ist dann die sog. Hard-Qurantäne vorbei und ich habe Übergabe mit einem alten Kollegen, ehe ich dann ab übermorgen wieder die Verantwortung als Hotel Controller übernehme. Ich bin schon sehr gespannt wie die Situation an Bord ist. Man muss wissen, das auch wenn überall AIDA draufsteht, dennoch jedes Schiff sich irgendwie, wie ein anderes Unternehmen anfühlt. Jeder hat so seine eigenen kleinen Regeln und jeder macht es ein bisschen anders wie die anderen. Das ist zum Teil sehr unterhaltsam, aber zum Teil natürlich auch ganz schön traurig für so ein großen und “modernes” Unternehmen. Wenn man einen Durschnitt aller Schiffe nehmen müsste, würde ich sagen, dass die AIDAsol das im Vergleich wohl ganz gut macht. Auf den ersten Blick. Gewissheit jedoch, werde ich erst in ein paar Wochen haben.
Irgendwie verrückt, dass ich nun schon 7 Monate an Bord bin. Und noch drehe ich nicht am Rad. Aber villeicht merke ich es nur selbst nicht. Na ihr lieben Leser und Freude werdet hoffentlich auf mich zukommen, wenn ihr das Gefühl habt, ich lauf nicht mehr ganzr und im Kopf, also eben für meine Verhältnisse. Bisher würde ich sagen ich komme mit der Situation ganz gut zurecht und freue mich auf die letzten drei Monate.
Velo.Bar
Und zum Abschluss noch ein bisschen was in eigener Sache. Es wird ernst. Mit großen Schritten geht es in Richtung “die erste eigenen Bar”. Zunächst mal auf Rädern und wenn sich Corona beruhigt, dann mal sehen was noch so passiert, aber für den Anfangt ist das eine gute Sache und ich würde mich über Unterstützung wirklich sehr freuen. Das geht auch ganu einfach. Ein Like auf Facebook oder Instagram, dass würde schon helfen. Oder wenn Ihr jemanden kennt der bald heiraten möchte, der ein kleines Firmenfest veranstalten möchte, oder vill für seinen Geburtstag im Sommer Lust auf ein Gin-Tasting für seine Gäste hat, dem doch gerne von uns erzählen. Wir freuen uns über jegliche Hilfe.
Das war es dann auch schon! Vielen Dank fürs Lesen und bis bald!
PS: Positive Nachrichten - Der Test war negativ!