Die unterschätzte Komponente
Wer kennt das nicht? Endlich! Eine neue Kamera. Man hat so lange darauf gespart und nun hält man sie endlich in den Händen. Mit dabei: Das gute alte Kit-Objektiv. Und zunächst ist man natürlich begeistert von seiner neuen Kamera.
Doch es kommt der Moment, an dem man sich irgendwann denkt: "Wie machen die das im Internet mit dem Hintergrund?" "Warum sieht man dort jede Pore - der hat doch genau die gleich Kamera?"
So ähnlich erging es mir damals mit meiner Sony Alpha 6000 auch. Ich noch jung und unerfahren, hatte mir damals DIE Kamera im Hobby-Bereich gekauft. Doch erst mit meiner zweiten Linse, habe ich das volle Potential der Kamera nutzen können. Plötzlich sah ich jede Pore und hatten einen wunderschönen verschwommenen Hintergrund. Und das alles mit einer Linse für gerade einmal 140 Euro. Damals war es das Sigma Art 60mm für die APSC-Kamera von Sony. Ich war hellauf begeistert und wurde nahezu süchtig nach weiteren Linsen. Es folgten Einige. Und eines war immer gleich:
Jede dieser Linsen war um Welten besser als die Kit-Linse.
Aber woran liegt das nun eigentlich? Und sind die Kit-Linsen wirklich so schlecht? Schauen wir uns die wichtigsten Dinge Blende, Brennweite und Preise an.
Die Blende
Vieles hängt von der sogenannten Blende ab. Zum Beispiel F4 - steht dafür, wie viel Licht die Linse auf den Sensor lassen kann. Um so kleiner der Wert ist, umso besser! Wir sprechen hier auch von der Lichtstärke eines Objektives. Ein Objektiv mit einer Blende F4 ist weniger lichtstark als eine Linse mit der Blende F2.8. Das F steht übrigens für Focal Length zu deutsch Brennweite. F4 gibt das Verhältnis von Brennweite zu Blendenöffnung an. Man müsste also eigentlich F zu 4 sagen. Aber auch dieser Beitrag soll kein Technik-Beitrag werden. Wer sich da mehr reinfuchsen möchte, wendet sich am besten an unseren Freund Google. Wichtig ist nur zu merken:
Umso kleiner die Zahl hinter dem F, desto lichtstärker ist das Objektiv
Umso kleiner die Zahl hinter dem F, desto größer muss der Durchmesser des Objektivs sein.
Umso kleiner die zahl hinter dem F, desto teurer wird die Linse wahrscheinlich sein
Umso kleiner die Zahl hinter dem F, desto verschwommener wird dein Hintergrund (Auch Bookeh genannt)
Es muss also irgendwie immer ein Kompromiss gefunden werden. Meist ist lichtstark, leicht, günstig und klein nicht vereinbar. Aber das hängt auch immer noch etwas von der Brennweite ab. Gutes Stichwort.
Die Brennweite
16mm, 24mm, 50mm, 85mm, 100mm, 200mm, 400mm, usw. Aber was bedeutet das nun?! Die Brennweite gibt an, wie weit eine Linse von Ihrem Brennpunkt weg ist. Vereinfacht kann man also sagen, wie weit die Linse vom Sensor weg ist. Daher sind Weitwinkel-Objektive auch eher klein bzw. kurz und die Tele-Objektive zumeist lang und groß. Auch wieder ein paar Dinge, die das Verständnis leichter machen:
Umso kleiner die Zahl bzw. die Brennweite ist, desto größer ist der Bildausschnitt, den die Kamera aufnimmt.
Umso größer die Zahl bzw. die Brennweite ist, desto kleiner ist der Bildausschnitt und umso näher kann man an ein Objekt heran.
Man spricht von Super-Weitwinkel bei 12 bis 21 mm
Weitwinkel bei 24 bis 38 mm
Normalwinkel 50 mm
Telewinkel 70 bis 300 mm
Super-Telewinkel: 300 - 600 mm und noch mehr
Wie sicherlich schon gemerkt, gibt es hier ein paar Lücken. Das sind die "Übergangsbrennweiten", die nicht wirklich einzuordnen sind.
Somit verwendet man für Landschaftsaufnahmen im Regelfall Weitwinkelobjektive und Portrait- und Tieraufnahmen. Aber an sich gibt es nicht die eine Brennweite für Portraits oder Landschaften. Sei kreativ und lass dich nicht in Muster drängen. Jedes Objektiv passt für immer genau dafür, wofür du es verwenden möchtest.
Preise
Du hast dich sicherlich auch schon mal gefragt, warum die eine Linse 2500 € kostet? Ich auch! Aber oft sind die teuersten Objektive auch die Besten. Aber ich kann euch beruhigen. Objektive von Sigma, Tamron oder anderen Drittherstellern kosten oftmals nur die Hälfte, sind aber nur ein Bruchteil "schlechter". Es macht also immer Sinn sich auch die "günstigen" Alternativen anzusehen. 1000 Euro mehr auszugeben, nur um eine etwas bessere Randschärfe zu haben, lohnt sich oftmals nur für den Profi-Fotografen.
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Ich hatte am Anfang geschrieben "die unterschätzte Komponente". Damit meine ich, dass erst auch eine gute Linse das Potential deiner Kamera voll ausschöpft. Denke also vor dem Kauf einer neuen Kamera erst einmal über den Kauf eines neuen Objektives nach.
Jetzt gab es einen kleinen Überblick über die verschiedenen Objektiv und wie das Ganze zusammenspielt, gibt es in weiteren Beiträgen.
Meldet euch bei Fragen jederzeit gerne!