3 Wochen geschafft!

Wie schon als Barkeeper vergeht die Zeit wie im Flug – wenn nicht sogar noch schneller. Man wird ja auch nicht jünger. Da sitz ich nun in meiner Nachtschicht von 23 Uhr bis 7 Uhr. Die Vorteile liegen klar an auf der Hand:Ich hab ab 7 Uhr dann den ganzen Tag frei, ich arbeite allein und dann kommen wir auch schon zu den Nachteilen: Ich arbeite allein und hab ab 7 Uhr den ganzen Tag frei. Und dann der nächste Vorteil der vom Nachteil zunichtegemacht wird: Ich trinke kaum Alkohol– dafür Zucker aufgelöst in Energy und Softdrinks und lecker zubereitet in Schokolade. Sport? Ja – hatte ich vor. Habe ich vor. Naja iwas dazwischen. Noch bin ich jedenfalls nicht dazu gekommen. Kommt noch. Vielleicht. Hoffentlich.

Die Route – die Metropolentour. Ja – naja ich würd sie persönlich nicht unbedingt buchen. Die wirklich interessanten Städte wie London und Paris sind zu weit von der Küste entfernt, sodass ein Besuch dorthin immer mit relativ hohen Kosten verbunden ist. Zugleich sind die Städte viel zu groß, um sie an einem Tag zu erkunden. Brügge und Rotterdam machen da die Ausnahme und können sich als Highlights der Reise betiteln lassen. Letzteres hab ich mir selbst schon ein bisschen angesehen, Brügge fehlt noch, steht allerdings weit oben auf meiner Liste.

Als alter Hobbyfotograf würde ich ja öfter gern zu den Abendstunden unterwegs sein, aber das lassen meist unsere Liegezeiten nicht so. Schade eigentlich und für Fotografen der große Nachteil, wenn man glaubt mit dem Schiff viele schöne Destinationen in wenigen Tagen fotografieren kann. Also ja kann man – aber nicht umsonst sind berühmte Fotos zumeist in den frühen Morgen oder späten Abendstunden entstanden.

Aber zurück zum Schiffsleben. Die Crew, die Kollegen und Vorgesetzten scheinen alle samt relativ entspannt zu sein – was ja bei meinem letzten Vertrag nicht ganz der Fall gewesen ist. Gefühlt fehlt dem Schiff allerdings ein wenig Action – aber ich arbeite ja auch, wenn die in der Theorie stattfindet, also vielleicht täuscht das auch. Was gibt’s über meinen Job zu erzählen? Ich sitze nachts im Büro direkt an der Rezeption und empfange die Kollegen aus den Bars und den Restaurants, prüfe ob deren Belege vollständig sind, richtig storniert wurde und bin verantwortlich für alle Gäste und Anrufe die Nachts entweder meine Nummer wählen oder persönlich an die Rezeption kommen. Hier ist die Vielfalt eigentlich nicht zu überbieten. Hier ist wirklich alles dabei: Besonders unterhaltsam an den Tagen, an den wir die Zeit umstellen.

„Ich stehe hier vor dem Restaurant mit anderen Gästen und die sollten schon seit 15 Minuten offen haben!“ – mhm sie sind leider ne Std. zu früh dran.

Aber auch sonst… Karte verloren oder auch Karte verloren und nicht mehr wissen welche Kabine man den bewohnt. Weckruf stellen. Fernseher zurücksetzten, Batterien tauschen, Safenummer vergessen, Essen im Restaurant buchen, den Geburtstag von seinem Sohn vergessen und in einer Nacht und Nebel Aktion eine Torte ordern wollen. Oder eben auch sich volllaufen lassen und mit der Alten streiten, dass es das ganze Deck mitbekommt. Klimaanlage zu kalt oder auch zu warm. Die Kabine ist zu laut, das Schiff wackelt zu sehr. Mir ist schlecht. Ich will den Doktor sehen „Das kostet aber außerhalb der Sprechzeiten extra!“ Oh ne dann nicht. Nehmen die in England eigentlich auch Dollar? Ja man könnte eigentlich ein Buch schreiben und ich arbeite nur nachts an der Rezeption. Die Kollegen von der Tagschicht können da sicher noch so einige Geschichten erzählen. Generell gefällt mir der Kundenkontakt aber und man freut sich, wenn man dem Gast wieder weiterhelfen konnte, oder ein Missverständnis aus der Welt schaffen konnte.

Die ersten Eindrücke sind somit durchaus positiv. Vielleicht nicht ganz so großartig, wie man sich das zuvor vorgestellt hatte. Aber die schönen Touren kommen noch und dann zahlt es sich aus 7 Tage die Woche zu arbeiten und 4,5 Monate lang auf feiern zu verzichten. Ja daran glaube ich – ganz fest – Also naja – Ja doch ganz bestimmt.

Wenn ich so ein bisschen meinen Rhythmus gefunden habe, kommt hier sicher auch wieder mehr. Nicht nur über das Leben an Bord, sondern hoffentlich auch wieder weiter im Bereich Bar usw.

Bis dahin

Lars