Die einen würden sagen „Ja“ – „Auf die Technik kommt es an“ die anderen. Aber wovon reden wir hier? Woran ihr denkt, da bin ich mir nicht ganz sicher. Ich jedoch rede (besser vielleicht: schreibe) von meinem Umstieg von der AIDAmar auf die AIDAprima. Die nämlich ist gleich mal ein ganzes Stück größer und „moderner“ als der Kutter, auf dem ich vor zwei Wochen noch unterwegs war.
Gefühlt gibt es doppelt so viele Restaurants und Bars – womöglich nicht nur gefühlt, aber das müsste ich nachlesen – dazu reicht die Motivation gerade nicht aus. Es gibt auf jeden Fall etwas mehr Vielfalt. Hier finden sich nämlich jetzt auch ein Klettergarten, eine Art Wasserpark inkl. Rutschen, ein sog. Beachclub, ein Kochstudio, unzählige Shops und einen Magnum-Store, sowie die berühmte Scharfe Ecke, an der es noch bis spät in die Nacht lecker Curry-Wurst gibt. Zwar nichtganz so wie in eurer Vorstellung – bzw. hier eine kurze Darstellung meiner Gedanken, als mir davon das erste Mal berichtet wurde: Ihr kennt Ditsche und seine kleinen Sketsche in dem Imbiss? Ja – ungefähr so hatte ich mir das vorstellt. Ditsche hört sich für euch an wie ne neue Ketchup Sorte? Dann ist es spätestens jetzt an der Zeit „Ditsche“ auf Youtube einzugeben. Aber immerhin: Bier aus der Knollenflasche gibt es! Und die Wurst die da über den Tresen kommt, schmeckt auch nicht schlechter als die auf dem Spielbudenplatz in Hamburg auf der Reeperbahn. Aber ich schweife ab – hab aber auch gerade echt Hunger. Und Durst. Bier. Hä?!
„Hallo – spricht da der Nightauditor der AIDAprima?“ meldete sich vor wenigen Tagen eine Kollegin eines unserer Flottenschiffe, die damit kämpfen mussten, dass deren Nightauditor krank im Bett lag und sie nun ohne Nightauditor-Wissen versuchte die Nacht zu überstehen. „Ich dachte ich ruf mal auf dem großen Schiff an. Dort MUSS jemand mit Erfahrung sitzen!“ Ich hab selten so gelacht, aber konnte ihr trotzdem helfen. Also um es kurz zu machen: Der Job ist wie fast erwartet ähnlich, nur noch weniger als auf den kleinen Schiffen, da hier wohl zuvor nicht die hellsten Birnen auf dem Arbeitsplatz von mir saßen – oder so taten (Dann wären sie wiederum Genies). Jedenfalls sind mir hier noch weniger Arbeiten zugeteilt als zuvor. Einzig die Arbeit, die mir vorher schon nicht besonders gefallen hat, ist nun noch mehr. Mehr Bars und Restaurants bedeuten auch mehr Belege die es zu sortieren gibt. Abgesehen davon, trage ich nur noch ein paar Zahlen ein und bin eigentlich soweit durch mit meinem Job. Wenn da nicht noch die Gäste wären.
Von denen gibt es ja nun auch doppelt so viele an Bord. Und auch doppelt so viele verlaufen sich Nachts an die Rezeption. Jetzt gibt es doppelt so viele Geschichten zu erzählen. Aber es sind eher doppelt so viele gleicheGeschichten. Aber vielleicht dennoch ein paar kleine Highlights, die ich guten Gewissens erzählen kann:
03:00 Uhr morgens: „Hallo ist dort die Rezeption?!“ „ja bitte?!“ „Ich habe um 8 Uhr einen Termin im SPA – könnte ich das verschieben?“ Kurze Stille in der Leitung – der Gast scheint selbst zu merken, dass das schwierig werden könnte und setzt erneut an. „Ah – das ist wohl jetzt eher schwierig oder?!“
08:00 Uhr morgens: „Hallo?! Im Gang auf Deck 7 liegen zwei fast nackte Männer im Flur“
Gerade sind wir mit Kurzreisen beschäftigt und viele Tage auf See, weshalb ich nur sehr wenig von draußen berichten kann, was sich aber hoffentlich jetzt ab Samstag endlich ändert. Dann geht’s es wieder auf unsere normale Ostsee-Tour. Schon am 8.6. freue ich mich sogar auf bekannte Gesichter, die eine Tour auf der AIDAprima gebucht haben. Im Juli sogar dann noch mehr Besuch! Bis dahin bin ich auf dem großen Kutter hoffentlich dann auch richtig angekommen. Denn einen großen Nachteil hat meine Position dann eben doch. Während alle anderen sich bei Bier, Wein & Schnaps in der Crewbar näher kommen und Freundschaften schließen, bleiben mir meist nur ein paar Gesprächen in der Messe beim Essen, wenn die Laune der Kollegen häufig noch nicht auf vollen Touren läuft oder insbesondere e beim Frühstück, eigentlich nur der Körper des Kollegen vor einem sitzt. Der Rest scheint noch irgendwo fernab im Reich der Träume zu sein. Doch wenn jetzt die normalen Touren wieder starten und ich mit einem schönen Bierchen in der Hand in Stockholm an der Pier sitze, dann weiß ich wieder warum hier mir gerade diese Position an Bord ausgesucht habe. Nämlich die Position, die als eine von ganz wenigen, den ganzen Tag frei hat und für die kein Ausflug zu lange ist. Dann hat man auch genug Zeit um in Ruhe ein Foto zu machen.