Jetzt musste ich erstmal nachlesen, was ich denn das letzte Mal geschrieben hatte. Betriebleiter in einer Bar war der Plan. Den Plan habe ich zumindest Mal begonnen und arbeite derzeit sogar noch bis Ende Januar 2020 im berühmten Couchclub in München - wer also in der Nähe ist.... (www.couch-club.org)Doch was dann? Ich musste für mich feststellen, dass ich eben nicht mehr der 21-Jährige Student bin, der gerne 5 Tage und mehr hinter dem Tresen verbringt (pro Woche). Meine Leidenschaften wie das Reisen, meine Freunde und die Fotografie blieben völlig auf der Strecke. Zudem ist der Job in der Gastronomie sehr undankbar. Ja - Man kann viel Geld verdienen - aber zu welchem Preis?! Ich habe also schon im November wieder gekündigt und unterstütze den Laden noch bis Ende Januar - ehe es - wer hätte es gedacht - wieder aufs Schiff geht.Am 12.02 werde ich auf die AIDAvita in Hongkong aufsteigen. Einer der kleinen Kutter (ca. 700 Passagiere) und unfassbare Routen warten auf mich. Zunächste bin ich erneut als Night Auditor unterwegs. Von den vielen vielen Plänen die es bei mir schon so gab, lautet er dieses Mal: Ca. ein Jahr Schiff und dann was Eigenes. Aber wie schon so oft - abwarten.Ich bin aktuell sehr froh, so flexibel sein zu können, immer das machen zu können, was mir Spaß macht und den Luxus bestitzen zu können, Jobs wieder zu beenden, wenn sie mir nicht zu 100% gefallen. Das habe ich mir über die letzten Jahr hart erarbeitet. Und wenn auch Ihr euch fragt (wie meine Mutter z.B.), für was ich denn bitte studiert hätte, dann passt hier Folgendes immer ganz gut: "Was man hat, dass hat man" - und wer weiß wann ich das schöne Bachelor-Zeugnis wieder gebrauchen kann.Aber auch die Zeit hier in München, insbesondere die Zeit, die ich im Couchclub verbracht habe, wird immer in guter Erinnerung bleiben. Selten habe ich nach und auch während der Schichten so viel gelacht. An so einem lebendigen Barabend kommen doch immer eingige schöne Geschichten von Gästen zusammen. Dazu evtl. mal ein eigener Beitrag. So ein bisschen nach dem Motto "Wie verhalte ich mich richtig beim Bestellen" oder auch "Wie mache ich einen Barkeeper glücklich".Und da wir ja gerade in der tollen Weihnachtszeit sind, wünsche ich euch natürlich ein paar ruhige Tage mit der Familie und einen flutschigen Rutsch in das spannende Jahr 2020.Steve, Alter!
Die Zeit verfliegt
Nachdem ich nun eben meine ersten Sätze wieder gelöscht habe – nun ein neuer Versuch. Es ist 03:25 Uhr – die Sonne scheint schon wieder am Horizont. Dunkel wird es schon nicht mehr wirklich. Ein bisschen surreal. Wir sind auf dem Weg von St. Petersburg nach Helsenki in Finnland.
Auch wenn es mir so vorkommt, als bin ich erst vor wenigen Tagen aufgestiegen, geht mein Vertag nun doch schon dem Ende zu. Zuhause warten ab September dann neue Herausforderungen! Der Couchclub (www.couch-club.org) wird vorerst mein neues Zuhause. Ich werde ab dem 1. September als Betriebsleiter eingesetzt und erfülle mir einen weiteren Schritt zur eigenen Bar. Es wird sich noch zeigen, wie sehr ich die Bar prägen kann/darf/werde – freue mich aber sehr auf die kommenden Monate hinter dem Tresen und mit meinem Team, dass ich bald kennenlernen darf.
Vom Schiff gibt es derzeit nicht viel Neues. Die letzte Woche durfte ich Dank Mark, Marion und Laura auch der Gäste Bereich mal besser kennenlernen und mich durch die Vielfalt unseres Kutters durchprobieren. Derzeit fungiere ich auch so ein bisschen als Notruf-Hotline für die anderen Schiffe und freue mich schon immer, wenn ein Anruf von außerhalb eingeht und ich den Kollegen mit einer Differenz helfen kann. Man muss ich eben an den kleinen Dingen erfreuen und das sind dann eben Differenzen von 3.90 € zwischen unseren Buchungssystemen. Ob das traurig ist? Ja – vielleicht ein bisschen. Unterforderung lässt grüßen.
Aber ich habe nun neue/alte Kollegen an Bord, mit denen ich den ein oder anderen Ausflug, bzw. den Hafenstädten einen Besuch abstatten kann. Bisher konnte ich auf der AIDAprima doch eher immer nur alleine die Städte erkunden, da ich noch nicht so wirklich jemand gefunden habe, der gern Zeit außerhalb des Stahlriesen verbringt.
Noch nicht beim Lesen bisher eingeschlafen? Dann habe ich eventuell doch noch ein spannendes Thema. Naja ich gebe zu es ist nicht allzu spannend – zumindest nicht für euch. Ich freue mich sehr und bin auch aufgeregt. Sobald ich im September in München die Bar schmeiße, fange ich auch an intensiv meine Fotografie & Videografie Karriere voran zu treiben. „Frame by Frame“ wird es heißen und ich bin über jede Empfehlung und jedes Projekt dankbar! 2019 wird noch ein spannendes Jahr für mich, ehe es nächstes Jahr bergab geht, wenn die 30 näher und näher kommt!
GRÖẞER IMMER BESSER?
Die einen würden sagen „Ja“ – „Auf die Technik kommt es an“ die anderen. Aber wovon reden wir hier? Woran ihr denkt, da bin ich mir nicht ganz sicher. Ich jedoch rede (besser vielleicht: schreibe) von meinem Umstieg von der AIDAmar auf die AIDAprima. Die nämlich ist gleich mal ein ganzes Stück größer und „moderner“ als der Kutter, auf dem ich vor zwei Wochen noch unterwegs war.
Gefühlt gibt es doppelt so viele Restaurants und Bars – womöglich nicht nur gefühlt, aber das müsste ich nachlesen – dazu reicht die Motivation gerade nicht aus. Es gibt auf jeden Fall etwas mehr Vielfalt. Hier finden sich nämlich jetzt auch ein Klettergarten, eine Art Wasserpark inkl. Rutschen, ein sog. Beachclub, ein Kochstudio, unzählige Shops und einen Magnum-Store, sowie die berühmte Scharfe Ecke, an der es noch bis spät in die Nacht lecker Curry-Wurst gibt. Zwar nichtganz so wie in eurer Vorstellung – bzw. hier eine kurze Darstellung meiner Gedanken, als mir davon das erste Mal berichtet wurde: Ihr kennt Ditsche und seine kleinen Sketsche in dem Imbiss? Ja – ungefähr so hatte ich mir das vorstellt. Ditsche hört sich für euch an wie ne neue Ketchup Sorte? Dann ist es spätestens jetzt an der Zeit „Ditsche“ auf Youtube einzugeben. Aber immerhin: Bier aus der Knollenflasche gibt es! Und die Wurst die da über den Tresen kommt, schmeckt auch nicht schlechter als die auf dem Spielbudenplatz in Hamburg auf der Reeperbahn. Aber ich schweife ab – hab aber auch gerade echt Hunger. Und Durst. Bier. Hä?!
„Hallo – spricht da der Nightauditor der AIDAprima?“ meldete sich vor wenigen Tagen eine Kollegin eines unserer Flottenschiffe, die damit kämpfen mussten, dass deren Nightauditor krank im Bett lag und sie nun ohne Nightauditor-Wissen versuchte die Nacht zu überstehen. „Ich dachte ich ruf mal auf dem großen Schiff an. Dort MUSS jemand mit Erfahrung sitzen!“ Ich hab selten so gelacht, aber konnte ihr trotzdem helfen. Also um es kurz zu machen: Der Job ist wie fast erwartet ähnlich, nur noch weniger als auf den kleinen Schiffen, da hier wohl zuvor nicht die hellsten Birnen auf dem Arbeitsplatz von mir saßen – oder so taten (Dann wären sie wiederum Genies). Jedenfalls sind mir hier noch weniger Arbeiten zugeteilt als zuvor. Einzig die Arbeit, die mir vorher schon nicht besonders gefallen hat, ist nun noch mehr. Mehr Bars und Restaurants bedeuten auch mehr Belege die es zu sortieren gibt. Abgesehen davon, trage ich nur noch ein paar Zahlen ein und bin eigentlich soweit durch mit meinem Job. Wenn da nicht noch die Gäste wären.
Von denen gibt es ja nun auch doppelt so viele an Bord. Und auch doppelt so viele verlaufen sich Nachts an die Rezeption. Jetzt gibt es doppelt so viele Geschichten zu erzählen. Aber es sind eher doppelt so viele gleicheGeschichten. Aber vielleicht dennoch ein paar kleine Highlights, die ich guten Gewissens erzählen kann:
03:00 Uhr morgens: „Hallo ist dort die Rezeption?!“ „ja bitte?!“ „Ich habe um 8 Uhr einen Termin im SPA – könnte ich das verschieben?“ Kurze Stille in der Leitung – der Gast scheint selbst zu merken, dass das schwierig werden könnte und setzt erneut an. „Ah – das ist wohl jetzt eher schwierig oder?!“
08:00 Uhr morgens: „Hallo?! Im Gang auf Deck 7 liegen zwei fast nackte Männer im Flur“
Gerade sind wir mit Kurzreisen beschäftigt und viele Tage auf See, weshalb ich nur sehr wenig von draußen berichten kann, was sich aber hoffentlich jetzt ab Samstag endlich ändert. Dann geht’s es wieder auf unsere normale Ostsee-Tour. Schon am 8.6. freue ich mich sogar auf bekannte Gesichter, die eine Tour auf der AIDAprima gebucht haben. Im Juli sogar dann noch mehr Besuch! Bis dahin bin ich auf dem großen Kutter hoffentlich dann auch richtig angekommen. Denn einen großen Nachteil hat meine Position dann eben doch. Während alle anderen sich bei Bier, Wein & Schnaps in der Crewbar näher kommen und Freundschaften schließen, bleiben mir meist nur ein paar Gesprächen in der Messe beim Essen, wenn die Laune der Kollegen häufig noch nicht auf vollen Touren läuft oder insbesondere e beim Frühstück, eigentlich nur der Körper des Kollegen vor einem sitzt. Der Rest scheint noch irgendwo fernab im Reich der Träume zu sein. Doch wenn jetzt die normalen Touren wieder starten und ich mit einem schönen Bierchen in der Hand in Stockholm an der Pier sitze, dann weiß ich wieder warum hier mir gerade diese Position an Bord ausgesucht habe. Nämlich die Position, die als eine von ganz wenigen, den ganzen Tag frei hat und für die kein Ausflug zu lange ist. Dann hat man auch genug Zeit um in Ruhe ein Foto zu machen.
Mal was anderes!
Wovon ich heute schreiben werde, sollte eigentlich schon die letzten Wochen passieren, doch obwohl ich relativ viel Zeit habe, bin ich irgendwie nicht dazu gekommen.
Am 27.04. haben mich ein paar Freunde an Bord als sog. „Daily Visitor“ besucht. Insgesamt waren wir 9 Personen, komplett zusammen gemixt aus Freunden meiner Mutter, diverse Freunde von mir aus dem Studium und die jeweiligen interessierten Freunde meiner Freunde die mitgekommen sind. Außerdem das Au-pair und der Sohnemann der Freunde meiner Mutter. Ihr merkt: Viele Freunde und Freude am heutigen Tage. Untereinander kannte sich kaum jemand, aber dafür hat man ja Bier an Bord. Nach den ersten beiden kam die Runde erst so richtig in Schwung. Wir hatten ein paar lustige Stunden an Bord, ehe es gegen Mittag wieder Verabschiedung heißen sollte. Aber wenn man erstmal mit dem Bier angefangen hat, zudem in Hamburg knapp 20 Grad und Sonne auf uns strahlte, kann man eben nicht so fix aufhören. Also sagte Kai kurzer Hand seine Termine ab, Viki und Oda verzichteten auf Ihren Sport und Caro sagt bei Bier auch selten nein. Unser Au-Pair Lucia war eigentlich schon im Auto mit den Carola und Knud gesessen, bis es sie aber dann auch packte. Kurzerhand nochmal angehalten und sich uns angeschlossen. Ab zu Strand Pauli und auch gleich noch weiteren Freunden Bescheid gegeben, wo man jetzt hinzugehen hatte. Und so kam es, dass noch wenige Stunden zuvor wildfremdeLeute herzlichst lachend und erzählend mit einer Jolle in der Hand am Hafen von Hamburg sitzen und man meinen könnte die Truppe kennt sich schon seit Jahren. Doch manchmal trügt der Schein und es bleibt bei diesem kurzen Nachmittags-es-war-schon-ganz-ok-aber-mehr-auch-nicht-Bier. Das dachte ich zunächst auch, als ich dann zunächst erstmal wieder Richtung Kutter musste. Bis dato war ich bereits knapp 30 Std wach und fiel nach der Sicherheitsübung kurz ins Koma, ehe ich um 23 Uhr wieder meinen Dienst antrat. Kurz die neusten Nachrichten auf meinem Mobiltelefon geprüft und dabei war ich mir nicht sicher, ob ich nicht doch immer noch schlafe. Die Truppe die sich erst heute Morgen kennengelernt hatte, war noch bis spät abends, teilweise spät nachts um die Häuser gezogen und hatte mir Bilder und Dankes-SMS geschrieben. Theresa hatte sogar kurzfristig nicht nur zwei neue Freunde, sondern sogar zwei neue Models für ihr Fotografie Projekt gefunden. Und wie es sich herausstellen sollten, treffen sich alle sogar nun regalmäßig (Dank Instagram & Co ja ständig verfolgbar)
Es war einer meiner Highlight Tage der letzten Jahre und beweist nur zu gut, dass es eben auch die kleinen Dinge sind, wie ein Bierchen mit Freunden, die einen wissen lassen, wofür es sich zu Leben lohnt. Und warum man eben nicht nur 24/7 an die Arbeit denken sollte, oder nicht jede freie Minute mit Netflix verbringen sollte. Versteht mich hier nicht falsch ich lege auch ungemein gern die Füße hoch und hab schon Unmengen an Serien und Filme gesehen und bin ein großer Fan von guten Produktionen, aber wenn ich auf ein Bier gebeten werde bin ich immer dabei. Und ja es muss auch nicht immer das Bier sein, gerne auch Schnaps. Ok, der war schlecht, aber ich lasse ihn mal stehen. Ausreden wie „Ich bin so kaputt von der Arbeit“ oder „Die nächsten drei Monate bin ich total im Stress“ sollten nicht auf eurer Liste stehen. Denn auch wenn ich jetzt 5 Euro ins Phrasenschwein werfe, wir leben nicht um zu arbeiten, sondern arbeiten ein bisschen, um zu leben. An dieser Stelle auch nochmal ein großes Danke an alle die an dieser Story mitgewirkt haben, aber auch an alle anderen Freunde, die mich bisher freiwillig und unfreiwillig hier an Bord besucht haben.
Hier wären zu nennen: Theresa, Eileen, Juliane, Stephan, Antonia, mein guter Fabser, Oda, Caro, Kai, Viki, Knud, Carola, Peer und Lucia
Es hat sich jede Minute Schlafentzug gelohnt!
3 Wochen geschafft!
Wie schon als Barkeeper vergeht die Zeit wie im Flug – wenn nicht sogar noch schneller. Man wird ja auch nicht jünger. Da sitz ich nun in meiner Nachtschicht von 23 Uhr bis 7 Uhr. Die Vorteile liegen klar an auf der Hand:Ich hab ab 7 Uhr dann den ganzen Tag frei, ich arbeite allein und dann kommen wir auch schon zu den Nachteilen: Ich arbeite allein und hab ab 7 Uhr den ganzen Tag frei. Und dann der nächste Vorteil der vom Nachteil zunichtegemacht wird: Ich trinke kaum Alkohol– dafür Zucker aufgelöst in Energy und Softdrinks und lecker zubereitet in Schokolade. Sport? Ja – hatte ich vor. Habe ich vor. Naja iwas dazwischen. Noch bin ich jedenfalls nicht dazu gekommen. Kommt noch. Vielleicht. Hoffentlich.
Die Route – die Metropolentour. Ja – naja ich würd sie persönlich nicht unbedingt buchen. Die wirklich interessanten Städte wie London und Paris sind zu weit von der Küste entfernt, sodass ein Besuch dorthin immer mit relativ hohen Kosten verbunden ist. Zugleich sind die Städte viel zu groß, um sie an einem Tag zu erkunden. Brügge und Rotterdam machen da die Ausnahme und können sich als Highlights der Reise betiteln lassen. Letzteres hab ich mir selbst schon ein bisschen angesehen, Brügge fehlt noch, steht allerdings weit oben auf meiner Liste.
Als alter Hobbyfotograf würde ich ja öfter gern zu den Abendstunden unterwegs sein, aber das lassen meist unsere Liegezeiten nicht so. Schade eigentlich und für Fotografen der große Nachteil, wenn man glaubt mit dem Schiff viele schöne Destinationen in wenigen Tagen fotografieren kann. Also ja kann man – aber nicht umsonst sind berühmte Fotos zumeist in den frühen Morgen oder späten Abendstunden entstanden.
Aber zurück zum Schiffsleben. Die Crew, die Kollegen und Vorgesetzten scheinen alle samt relativ entspannt zu sein – was ja bei meinem letzten Vertrag nicht ganz der Fall gewesen ist. Gefühlt fehlt dem Schiff allerdings ein wenig Action – aber ich arbeite ja auch, wenn die in der Theorie stattfindet, also vielleicht täuscht das auch. Was gibt’s über meinen Job zu erzählen? Ich sitze nachts im Büro direkt an der Rezeption und empfange die Kollegen aus den Bars und den Restaurants, prüfe ob deren Belege vollständig sind, richtig storniert wurde und bin verantwortlich für alle Gäste und Anrufe die Nachts entweder meine Nummer wählen oder persönlich an die Rezeption kommen. Hier ist die Vielfalt eigentlich nicht zu überbieten. Hier ist wirklich alles dabei: Besonders unterhaltsam an den Tagen, an den wir die Zeit umstellen.
„Ich stehe hier vor dem Restaurant mit anderen Gästen und die sollten schon seit 15 Minuten offen haben!“ – mhm sie sind leider ne Std. zu früh dran.
Aber auch sonst… Karte verloren oder auch Karte verloren und nicht mehr wissen welche Kabine man den bewohnt. Weckruf stellen. Fernseher zurücksetzten, Batterien tauschen, Safenummer vergessen, Essen im Restaurant buchen, den Geburtstag von seinem Sohn vergessen und in einer Nacht und Nebel Aktion eine Torte ordern wollen. Oder eben auch sich volllaufen lassen und mit der Alten streiten, dass es das ganze Deck mitbekommt. Klimaanlage zu kalt oder auch zu warm. Die Kabine ist zu laut, das Schiff wackelt zu sehr. Mir ist schlecht. Ich will den Doktor sehen „Das kostet aber außerhalb der Sprechzeiten extra!“ Oh ne dann nicht. Nehmen die in England eigentlich auch Dollar? Ja man könnte eigentlich ein Buch schreiben und ich arbeite nur nachts an der Rezeption. Die Kollegen von der Tagschicht können da sicher noch so einige Geschichten erzählen. Generell gefällt mir der Kundenkontakt aber und man freut sich, wenn man dem Gast wieder weiterhelfen konnte, oder ein Missverständnis aus der Welt schaffen konnte.
Die ersten Eindrücke sind somit durchaus positiv. Vielleicht nicht ganz so großartig, wie man sich das zuvor vorgestellt hatte. Aber die schönen Touren kommen noch und dann zahlt es sich aus 7 Tage die Woche zu arbeiten und 4,5 Monate lang auf feiern zu verzichten. Ja daran glaube ich – ganz fest – Also naja – Ja doch ganz bestimmt.
Wenn ich so ein bisschen meinen Rhythmus gefunden habe, kommt hier sicher auch wieder mehr. Nicht nur über das Leben an Bord, sondern hoffentlich auch wieder weiter im Bereich Bar usw.
Bis dahin
Lars
Zurück zu AIDA und Sturm in Amsterdam
Hallo zusammen,ich weiß es wird langsam schwierig da noch ganz durchzublicken. Doch wieder Schiff? Bin ich nicht gerade erste in Ingolstadt und dem neuen Job so richtig angekommen? Ja, was soll ich sagen? Dieses Mal war es eine Bauchentscheidung. Ich hatte schon immer mit dem Gedanken gespielt ganz vielleicht mal wieder auf den Kutter zu steigen, dass sich jetzt mein Leben innerhalb von zwei Wochen auf den Kopf stellen würde, damit hatte ich nicht so richtig mit gerechnet. Aber zu den Fakten:Ich steige am 14.03.2019 auf die AIDAmar auf und wechsle zum 16.05 auf die AIDAprima. Am 22.07 ist dann die Fahrt erstmal wieder vorbei. Aussagen wie "die nächsten 3 Jahre bleibe ich Seemann" gibt es dieses Mal nicht! Wir werden sehen, was die Zukunft bringt. Dieses Jahr bringt die Zukunft noch die Herausforderung den Couchclub in München ab September leiten zu dürfen. Darauf freue ich mich schon und bin gespannt was mich erwartet.Steht da nicht noch was von Sturm in Amsterdam? Richtig - es wäre ja auch nicht mein Leben, wenn nicht wieder etwas nicht so ganz läuft wie geplant (Wer sich erinnern kann - das letzte Mal hätte ich, wegen fehlender Papiere {ich war nicht schuld}, fast nicht aufsteigen dürfen. Gestern aber, war es der Wind der alles etwas durcheinander brachte. Am Münchner Flughafen angekommen, dachte ich zunächst die Technik ist in Deutschland einfach noch nicht so weit und das Self-Check-In ist eben doch noch nicht ganz ausgereift. Ich konnte mich nämlich nicht einchecken. Am Schalter: "Der Flug nach Amsterdam? Der ist gestrichen, gehen Sie hier und dort hin". Am nächsten Schalter angekommen, eine endlose Schlange und nur zwei verzweifelte Mitarbeiter, die jeden Gast einzeln umbuchten, Hotels organisierten, usw. usw. Da stand ich nun. Zwischenzeitlich zweimal mit AIDA telefoniert, mit meinem Papa telefoniert, meine Musikplaylist durchgehört und alle Teile der Herr der Ringe Reihe angesehen. Letztendlich gab es die Info, dass es heute nicht mehr nach Amsterdam geht und ich auch ersten morgen (also heute.) um 17.30 den Flieger nehmen kann. Immerhin Lufthansa. Das Hotel Kategorie: Luxus. Bis auf die unnötige Wartezeit am Schalter, war das ganze eigentlich eher entspannt als nervig. Heute morgen habe ich ordentlich gefrühstückt und warte gerade auf mein Taxi, dass mich dann wieder an den Münchner Flughafen bringt. Dort hoffe ich auf ein stressfreien Security-Check. Ich mag mein Kamera-Equipment ungern am Flughafen zurücklassen....Dann ab nach Amsterdam. Das Schiff liegt eh noch die ganze Nacht, daher war die unerwartete Verspätung kein Problem. Ich bin schon gespannt, welche Hürden noch zu meistern sein werden, ehe der entspannte Teil des Abenteuers los geht.Wer in den kommenden Wochen mal in Hamburg ist, kann gerne mal für ein paar Stündchen an Bord kommen als Tagesbesucher. Schreibt mir, dann zeig ich euch mein schwimmendes Zuhause für die nächsten Monate.
24 h Stundenlauf - Wie blöd kann man sein?
100 Km. Also nicht ganz. Fast. Immerhin. Aber von Anfang an:Irgendwann letztes Jahr im Sommer, kam doch tatsächlich einer meiner Jungs auf die glorreiche Idee an dem 24 h Stunden extrem lauf im Burgenland (Österreich) rund um den Neusiedler See teilzunehmen. "Wie viel km sollen das denn dann sein? 120? Klar, warum nicht!? Bin dabei!"Ich bin mir nicht mehr so ganz genau sicher, was ich mir dabei gedacht habe. Der Sommer verging. Es wurde ruhig um unsere Unternehmung. Schließlich hatten wir uns ja auch noch nicht angemeldet. Doch im Dezember war es dann soweit. Wir hatten uns für den Lauf am 25. Januar 2019 angemeldet. Andi, Martin und ich waren die letzten Dummen aus unserer Gruppe, die jetzt tatsächlich da antreten wollten. Ich bezahlte also 70 Euro, um mir selbst weh zu tuen.Für die wenigen, die hier vielleicht zufällig gelandet sind und mich nicht kennen, eine kurze Beschreibung meiner körperlichen Verfassung:Ich bringe bei einer Größe von ca. 1.93 solze schwere 129,9 Kg auf die Waage, habe diverse Knie und Rückenprobleme und ich mache ca. so viel Sport, wie das Bild von dem Menschen, den ihr gerade vor eurem inneren Auge habt, macht. Nämlich gar keinen. Den einzigen Sport den ich ab und zu betreibe nennt sich Tresensport. Macht auch Spaß, sieht nur scheiße an einem selbst aus.Es wurde Januar und immer noch nicht bin ich bewusst mal mehr als 2 Km gelaufen. Aber Andi dachte es wäre sinnvoll mal ein Gefühl dafür zu bekommen wie weit 120 km eigentlich sind. "Lass und doch mal 50 km laufen". Das war zwei Wochen vor dem eigentlichen Lauf. Was für eine dumme Idee.Während den ersten 20 Km war es noch lustig. Auch bei Km 25 war noch alles in Ordnung. Dann begann der Zerfall. Bei Km 30 hätte ich am liebsten schon aufgehört. Meine Kniekehlen flehten mich bei jedem Schritt an, endlich stehen zu bleiben. Meine Fußgelenke versetzten mir messerstichartige Schmerzen und waren bereits stark angeschwollen. In diesem Zustand quälte ich mich irgendwie noch bis km 40. Dort brachen wir dann ab. Andi und Basti (der ist mal zum Spaß mitgelaufen) waren auch durch, wirkten neben mir, aber wie zwei Neugeborene. Wir wurden mit dem Auto abgeholt. Die nächste zwei Tage hatte ich die Schmerzen meines Lebens und kaum ein Fuß vor den anderen setzen. Beste Voraussetzungen, um in nicht einmal 14 Tagen 120 km zu laufen.Zwei Wochen später:Ich spürte immer noch diese leichten Schmerzen in meinen Beinen, als ich Andi abholte, damit wir uns auf den Weg nach Österreich machen konnten. Ca. 500 Km später trafen wir dann auf die anderen Verrückten. Martin hatte doch tatsächlich zwei weitere Verrückte gefunden, die da mitmachen. Es wurde eine kurze Nacht, denn schon um 4.30 war der Start angesetzt. Ich meine gegen drei Uhr morgens quälte ich mich aus meinem Bett, bzw. dem harten Ding, auf dem ich gelegen hatte. Rein in meine Ausrüstung, die ich mir nur für diesen Lauf gekauft hatte. Dann enstand kurz Stress. Wir waren natürlich etwas spät dran, erreichten aber nur ein paar wenige Minuten zu spät den Startbereich. Ich mein, was machen ein paar Minuten, wenn man jetzt voraussichtlich 24 Std. auf den Beinen ist. Die ersten liefen los, also joggen, also ich mein: "Gehts noch?" Wir gingen das eher gemütlich an. Das war auch der Plan. Langsam, aber beständig. Ich ging das ganze auch direkt taktisch an. Laufstöcke wurden für jeden Schritt verwendet und ich "teile" mir mit Andi einen Rucksack und wir vereinbarten, dass er mit dem Tragen anfängt. Zu diesem Zeitpunkt, wusste er noch nicht, dass er den Rucksack nie wieder loswerden würde.Die ersten Kilometer gingen fix. Aber dann: Ich schätze es war Kilometer fünf, als sich das erste Mal meine Knie meldeten. "Bitte nicht jetzt schon". Meine Beine schmerzten schon jetzt, wie zwei Wochen zuvor nach 30 Km. Es gab nur einen entscheidenden Vorteil. Ich kannte die Schmerzen. Also draufbeißen. Nach 15 Km forderte ich von den Jungs die erste Pause ein, da die ersten Versorgungsstation erst bei ca. Km 25 eingezeichnet war. Es gab also Tee, Riegel und ein paar Dehnübungen, ehe wir uns im Morgengrauen wieder auf den Weg machten. Es folgte der schönste Abschnitt der Tour. Sonnenaufgang im Burgenland. Da liefen sich die weiteren 10 Km bis zu der ersten Versorgungsstation fast von selbst. Dort angekommen gab es für mich leckere Schmerztablette und Energiedrinks. Andi musste seine Füße bereits auf Blasen kontrollieren und neue abkleben.Weiter gings. Zwei Km ins nächste Dorf. Geschafft. Drei Km bis zum nächsten Dorf. Geschafft. Und immer so weiter. Wir liefen schon lange keinen 120 Km Lauf mehr, sondern viele kleine Etappen. Das ist besser für den Kopf. Kleine Ziele und so. Die nächste Station nach Km 35 hatte nicht mehr viel für uns übrig. Ein Tässchen Tee war alles was es noch für uns gab. Kurz aufgewärmt und weiter gings. Gleich sollte die Marke fallen, nach der ich nur zwei Wochen zu vor schon keinen Schritt mehr vor den anderen bekommen habe. Es tat auch wirklich weh. Es ging durch ein scheinbar endloses Waldstück, bevor eigentlich eine Versorgungsstation kommen sollte. Gekämpft, gequält und enttäuscht worden. Die eingezeichnete Station war nicht oder auch vielleicht nicht mehr vorhanden. Der nächste rote Punkt (Versorgungsstationen) erst wieder in 10 Km. Wir bogen auf eine Landstraße ab. Um uns herum: Das weite Nichts mitten im Grenzgebiet. Eiskalter Wind peitschte uns mitten ins Gesicht. Das wäre selbst für Nordlichter mehr also nur ein laues Lüftchen gewesen. Unsere Süddeutschen hätten dann wohl von "Orkan" gesprochen. Es waren die schlimmsten Km meines Lebens. Alles schmerzte, die Sonne ging bereits wieder unter und die ersten Blasen machten sich bemerkbar. Aber auch Andi ging es nicht mehr allzu gut. Ich verlor jegliches Zeitgefühl doch irgendwann war das 60 km Ziel tatsächlich in Reichweite. Wir stoppen kurz davor in einer kleinen Hütte und versorgten uns mit Gulaschsuppe. Sie rettete unser Leben. Ich hatte gerade ein relativ gutes Gefühl und lief schon mal ins 60 Km Ziel voraus, wo ich mich auf der Toilette selbst mit einer Massage verpflegte und mir bei den Ersthelfen nochmal eine Schmerztablette gaben lies. Dann waren die Jungs auch schon da und ebenfalls guter Dinge, dass wir noch ein paar Kilometer schaffen werden. Auf den Kilometer 65 bis 80 passierte etwas, womit wohl keiner und auch ich niemals gerechnet hätte.Zunächst war ich wieder eher eine Bremse für die Jungs. Bis zu dem Moment, als ich das erste Mal meine Kopfhörer anschloss und mich auf die Musik einlies. Ich versuchte den Takt aufzunehmen, die Augen nur noch soweit zu öffen, das ich ab und so den Weg kontrollieren konnte und lockerte den ganzen Körper. Zunächst "tanzte" ich an meinen Jungs vorbei, hinter die ich zwischenzeitlich mal gute 200 Meter gefallen war und kam dann so langsam so richtig in Fahrt. Ich weiß nicht woher diese Kräfte kamen, aber ich zog auf den nächsten Kilometern an allen vorbei und gab mir selbst einen "Fitnesskurs". "Locker in den Hüften und tak, tak, tak,... ja immer weiter, nicht locker lassen, tak, tak, tak, die Arme mit nehmen, ja genau und tak, tak" Ich schoss aus versehen an der nächsten Versorgungsstation vorbei und weiter bis zum 80 Km Ziel. Ich lief diese 15 Km im Schnitt fast doppelt so schnell wie zuvor und wusste nicht woher das kam, aber das motivierte. Ich konnte nun eine lange Pause machen, da ich den Jungs ca. 30 Minuten voraus gelaufen war und versuchte diese Zeit gut zu Nutzen. Kleidung runter, Füße massieren, trinken, essen. Die Jungs kamen und wir verbrachten weiter 20 Minuten in einer Art Gasthaus."Die nächste Station hat die ganze Nacht geöffnet" Dieser Satz sollte uns noch zum Verhängnis werden. Gegen Mitternacht (wir waren bereits über 20 Std unterwegs) ging es weiter Richtung Neusiedel. Wieder ein schier endloser Feldweg, der nicht enden wollte. Meine Füße der Laufstöcke waren bereits komplett abgenutzt, sodass die Metalspitzen die sich darunter befinden anstatt dessen über den Asphalt schabten. Wie die Jungs diese Geräusch so lange ertragen konnte, ist mir ein Rätsel. Kurz vor Neusiedl, merkte man nun uns allen die Km an. Auch Martin, der sehr lange den Eindruck machte, die 120 Km mit einem Lächeln auf dem Gesicht zu absolvieren, ging nun am Limit. Fehlende Wegmarkierungen und Umwege machten die Sache nicht besser. letztendlich krochen wir gegen 2 Uhr morgens zu den Türen der großen Versorgungstation in Neusiedel.... DIE GESCHLOSSEN HATTE.Einer der letzten Mitarbeiter, der noch zum aufräumen geblieben war, teilte uns mit, das es hier keine Möglichkeit mehr gibt, sich zu versorgen oder aufzuwärmen. Das nahm uns dann jegliche Motivation schlagartig. "Wollen wir nicht noch bis Km 100 laufen?" brachte ich noch kurz ein, aber habe mich wirklich sehr schnell davon überzeugen lassen aufzuhören. Wir waren glücklich, erschöpft, enttäuscht und verärgert zur gleichen Zeit. Wir riefen eines der Shuttletaxen und liesen uns nach Hause fahren. Allein in den 30 Minuten von der Aufgabe bis zu dem Ausstieg zuhause, hatte mein Körper alles Funktionen auf ein Minimum heruntergefahren. Ich konnte kaum aus dem Auto aussteigen, geschweige denn, die Treppen zu meinem Bett erklimmen. Mein ganzer Körper zitterte. Auch die heiße Dusche half da nicht wirklich. Mit meiner Wellenstyn Winterjacke und zahlreichen Decken, legte ich ins Bett und hoffte am nächsten Tag wieder aufzuwachen.Ich wachte wieder auf. In den Beinen hatte ich Schmerzen, die ich keinem wünsche. Kennt jemand die Szene aus How I met your Mother, nachdem Barny einen Marathon gelaufen war und in der Ubahn tagelang hin und her fahren muss, da er seine Beine nicht mehr bewegen konnte? Jap, so in etwa ging es mir. Autofahren ging nicht. Beine heben auch nicht mehr. Ich schleifte mich in Wien dann zu Martin nach Hause und lag mich auf das Sofa um die nächsten 24 Std nicht mehr davon aufzustehen. Nach der zweiten Nacht konnte ich zumindest wieder aufstehen.Jetzt. ca. 6 Wochen später schmerzt es immer noch manchmal. Es war dennoch eine großartige Erfahrung und es ärgert uns alle auch immer noch, dass wir aufgehört haben, aber wir können stolz sein, diese knapp 100 Km hinter uns gebracht zu haben. Man kann fast alles schaffen, auch wenn es noch so wehtut. Willst du es wirklich erreichen, geht alles.Danke Martin und Andi für diesen unfassbaren Blödsinn und wer weiß.... vielleicht bis zum nächsten Jahr, wenn es wieder heißt: 24 h Burgenland extrem!